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Filter

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tl;dr Weil uns die unfassbare Menge Möglichkeiten total überfordern würden, gibt es Filter, die uns helfen, Entscheidungen treffen zu können. Nutz deine Möglichkeit selbst Filter zu setzen.

Wir haben ständig enorm viele Möglichkeiten.

Im Grunde kannst du dich jederzeit dazu entschließen in spätestens zwei Tagen am anderen Ende der Welt zu sein (irgendwie bekommst du das Geld schon zusammen und wenn es dir wichtig ist, kannst du auch alle Verpflichtungen platzen lassen). In einer Großstadt wie Berlin kann ich jeden Tag zu mehreren hunderttausenden Menschen Kontakt auf nehmen – aber auch in einer Kleinstadt dürfte in Zeiten des Internets kein Problem bestehen mit einer schier unfassbare Anzahl an Menschen in Kontakt zu treten.
Eine Unmenge an Möglichkeiten, Optionen, Wege die einzuschlagen wären.

Die Funktion von Filtern

Um mit dieser schieren Anzahl von Möglichkeiten gesund umzugehen, ist es nötig, dass es Filter gibt.
Authist_innen fällt es, je nach Ausprägung, sehr schwer Sinneswahrnehmungen zu filtern – das Gehirn lässt einfach deutlich mehr ins Bewusstsein und überflutet damit alles und schafft großes Chaos. Um sich fokusieren zu können ist es wichtig und angenehm viele der Eindrücke, die auf uns einprassel, gar nicht erst wahr zu nehmen.

Viele Filter sind uns unbewusst – sie funktionieren einfach.
Wenn ich in der U-Bahn fahre, nehme ich an einem normalen Tag die meisten Leute nicht war – mein Gehirn scannt trotzdem die Gesichter nach bekannten Menschen, aber davon bekomme ich nicht viel mit.
Wenn ich einkaufen gehe, blendet mein Gehirn alle unveganen Optionen aus. Falls du Tierprodukte isst, wirst du Supermärkte und Großstadt-Straßenzüge ganz anders wahrnehmen als ich – für mich sind sie, was Essen betrifft, verhältnismäßig leer.
Wenn ich von Jobs oder Veranstaltungen höre, fallen die meisten gedanklich direkt unter den Tisch – außer sie entsprechen meinen Kriterien.

Vielleicht kennst du das: Als meine Papa über die Anschaffung eines neuen Familienautos nach gedacht hat, haben wir plötzlich überall auf den Straßen Autos des gewünschten Modells fahren gesehen.
Wenn du verliebt bist oder aus anderen Gründen auf eine Person fokussiert bist, glaubst du sie überall zu treffen – bis du erkennst, dass dein Unbewusstsein nur wollte, dass es die Person ist – ein paar Gesichtszüge haben gepasst.

Das Gehirn entscheidet fleißig welche Eindrücke nur unbewusst, welche bewusst verarbeitet werden – welche Auszüge der Realität alle in unsere persönliche, individuelle Lebensrealität Einzug nehmen.

Die Stärke von Filtern nutzen

Wenn unbewusste Filter schon gute Arbeit leisten können, dann ist es vielleicht auch eine gute Idee bewusst Filter zu „installieren“.

Eigene Filter setzen

Ich kann mich selbst darauf trainieren, auf bestimmten Sachen mehr oder weniger zu achten. Mit der Zeit wird es Routine und somit mein Verhalten und meine Wahrnehmung prägen.
Wie oben geschrieben ernähre ich mich vegan und nehme dadurch die Fülle des Lebensmittelangebots ganz anders war.

Auf die Weise liese sich auch bewusst nach Lebensmitteln filtern, die besonders gesund sind oder Essen raus filtern, dass besonders ungesund ist.
Manche Veganer_innen deklariern für sich selbst weitere Produkte als strukturell unvegan (z. B. Palmöl) und werden nach einigen Wochen garnicht mehr nach solchen Produkten greifen.

Tätigkeiten oder Eigenschaften, die ich gerne in mir fördern will können bewusst in den Fokus gerückt werden. So könnte ich alles, was mit Gesang zu tun hat bewusst in den Fokus setzen, so dass meine Welt nach ein paar Wochen so wirkt, als wäre Gesang omnipräsent.

Gesetzte Filter nutzen

Da Details von Veranstaltungen dazu führen können ein bestimmtes Klientel an zu ziehen oder fern zu halten sind das auch super Filter. Veranstaltungen können ganz bewusst genutzt werden, um mit Menschen eines gewissen Schlags zusammen zu finden.

So weiß ich z. B., dass ich sehr engagierte Menschen kennen lernen kann, wenn ich zu Treffen von Social Enterpreneurs (Unternehmer_innen, die ein Gewerbe mit sozialen Fokus leiten oder gründen wollen) gehe.
Bei Contact Impro Jams (Tanzabende eines sehr freien Tanzstils) werde ich viele sehr herzliche, körperliche und offene Menschen antreffen. Wenn ich mich in NGO-Kreisen herumtreibe, lerne ich viele engagierte, empathische Menschen kennen u. ä.

Musikrichtungen ziehen oft markant unterschiedliche Menschen an. Alternative Lokations werden von anderen Menschen besucht als Prunkbauten. Zu Beach-Partys in Badeklamotten kommen anderen Leute als zu Veranstaltungen in Business-Kreidung.

Wenn ich herausfinde welche Veranstaltungen Menschen anziehen, die ich gerade spannend finde, kann ich bewusst auswählen.
Oft sind kleine Unterschiede schon gute Filterkriterien. Ist eher ein legeres Beisammensein oder eine offizielle Runde angesagt – wie verändert sich dadurch das Klima und das Klientel?

Genau so können Studiengänge, Restaurants, Geschäfte, Städtteile etc. gute Filter sein um speziellen Menschen zu begegnen.

Filter für andere Menschen setzen

Im Grunde kann alles, was du über dich Preis gibst, ein Filter für andere sein. Deine Meinung, deine Hobbys, deine Vorliebe können Leute anziehen oder abstoßen.

Wenn du das gezielt als Filter einsetzen willst, kannst du Eigenschaften betonen oder abschwächen.

Ich betone gerne, dass ich Free Hugs verteile und spreche darüber ausführlicher als über meine berufliche Tätigkeit.
Ich finde es spannender Leute an zu ziehen, die sich für zwischenmenschliche Nähe, Sozialexperimente und lustige Aktionen interessieren, als Leute, die gerne über Technikkram sprechen.

In der Weise, wie ich mich vorstelle und wie ich mit beispielsweise in Online-Profilen präsentiere, rutsche ich durch die Filter von manchen, und bleibe in anderen hängen.

Dadurch besteht die Chance zu beeinflussen, welche Leute sich eher an mich wenden werde.

Welche Filter setzt du in deinem Leben?

(Den Artikel habe ich schon vor ein paar Monaten geschrieben und ihn jetzt nochmal ein bisschen überarbeitet.)

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