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Mythenbildung in Beziehungen

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Guckst du auch hin und wieder Hollywood-Romanzen?
Sie lernen sich kennen, aber das Schicksal ist nicht mit ihnen – Drama. Nach einem langen, fast ausweglos scheinenden Kampf kommen sie doch zusammen – Happy End.
Oder aber, sie lernen sich kennen und es funktioniert einfach – und sie haben eine tolle Zeit zusammen und ein tolles Leben.

So oder so: Sie sind für einander bestimmt und dem/der Zuschauer_in ist klar, dass die beiden glücklich bis an ihr Lebensende zusammen verbringen und vermutlich danach Seit-an-Seit beerdigt werden werden.

Für Filme ist das auch super – für mein Geld und meine Zeit will ich ja auch sicher gehen, dass ich mit schönen Gefühle aus dem Kino komme.

Ich kann mir gut vorstellen, dass es auch tatsächlich einige Paare gibt, bei denen „Liebe auf den ersten Blick“ passiert ist und die einfach super zueinander passen. Ich glaube aber, dass Paare weit häufiger prunkloser zusammenkommen.
Sie waren beide auf der selben WG-Party und sind ins Gespräch gekommen, waren beide gut angetrunken im selben Club tanzen und haben miteinander rum gemacht oder fanden das Profil des jeweils anderen auf einer Datingseite ganz ansprechend.
Der erste Kontakt hat sich gut angefühlt, es folgten weitere Begegnungen und irgendwann kamen die beiden zum Schluss: Man könnte ja zusammen sein.

Wenn Beziehungen unspektakulär beginnen (und wer braucht schon eine spektakulären Start – wenn man mehr als 90 Minuten Zeit hat die Geschichte zu entwickeln) können sie auch unspektakulär zu Ende gehen.

Das wäre aber viel zu wenig Hollywood.
Hollywood will Schicksal, Hollywood will Happy End, Hollywood will „für immer“ und „nur du“ und „seit ich dich kenne…“.

Unvorteilhafterweise sind die meisten Menschen, die eine Beziehung eingehen, aber schon eine Weile lang keine (sexuelle) Jungfrau mehr, tragen oft noch Gefühle oder Gefühlssplitter für andere Menschen mit sich rum und ob das ganze bis immer hält?! – statistisch gesehen ist das vermutlich eine klare Sache: nö…

Ich nenne das Mythenbildung.

Um mehr Sicherheit und Bedeutung in die Beziehung zu bringen, werden Mythen erzählt. Das Kennenlernen wird glorifiziert, die Einzigartigkeit der Beziehung auf komplizierte Weise bewiesen und sowieso ist alles ganz anders und viel einzigartiger als bei allen anderen.
Es wird selbstverständlich nie Probleme geben und es wird für immer halten – weil: Schicksal!

Problematisch wird es aber, wenn der Mythos irgendwann zu bröckeln beginnt und klar wird: „Verdammt, wir sind weiterhin zwei fehlbare Menschen und auch unsere Beziehung braucht Arbeit um zu funktionieren.“
Ohne Mythos wäre es einfach nur der flüchtige und fehlbare Kontakt zwischen zwei Menschen – und so ein Kontakt kann scheitern, aber auch gelingen – das ist aber nicht notwendigerweise Schicksal, sondern daran kann gearbeitet werden.

Ein Freund hat mich auf ein sehr schönes Buch bzw. Kartenset hingewiesen, das Paaren helfen will, immer wieder zur Fehlbarkeit, zur Verletzlichkeit und zum Mensch sein zurück zu finden.
Weil ich dich liebe… erkenne ich an, dass wir beide fehlbare Menschen sind und vieles passieren kann – trotzdem wünsche ich sowohl dir als auch mir, dass gute Dinge passieren und ihren Lauf nehmen können.

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