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Meine Superkraft

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Ich weiß nicht mehr wieso – aber in den letzten Wochen habe ich mal wieder mehr über Superkräfte nachgedacht (Super-Gedächtnis ist also schon mal nicht meine Superkraft).

Superkräfte sind faszinierend

Die Idee, das Menschen übermenschliche Fähigkeiten haben können, hat schon viele Leute kreativ beflügelt und auf die ein oder andere Weise sind Superkräfte Bestandteil vieler unserer kulturellen Erzählungen. Z. B. in Comics über Superman und andere Helden oder aus alten Erzählungen über Werwölfe, Vampire und Hexen.

Ich finde es dabei eine spannende Frage: Wenn ich Superkräfte hätte – welche würde ich gerne haben wollen?

Zum Glück stellt die Film- und Fernsehindustrie da gutes Recherchematerial zur Verfügung. Besonders erwähnt werden sollen die Serien „4400 – Die Rückkehrer“ (4400 auf Wikipedia) und „Heroes“ (Heroes auf Wikipedia), weil das zwei Serien sind, in denen zahlreiche Menschen die unterschiedlichsten Superkräfte haben und dabei gut Model stehen, wie eine Superkraft so einiges durcheinander bringen kann.

Es gibt so einiges spannendes, was sich die Drehbuchautor_inn_en da so ausgedacht haben.
Fliegen, Heilen, Feuer schleudern, Gedanken lesen oder beeinflussen, Radioaktiv sein, Elektrizität, Wasser, etc. beherrschen, super stark sein oder super schnell rennen, Zeit anhalten usw.
Es sei aber gleich gesagt: Die meisten Fähigkeiten haben auch große Schattenseiten – zumindest in einer Gesellschaft, in der nur wenige Menschen bzw. nur du eine Superkraft haben.

Einige Beispiele:
– Fliegen können wäre schon recht spannend. Irgendwie ist da glaube ich so eine menschliche Frustration da, dass wir so ziemlich alles hin bekommen können aber fliegen aus eigener Kraft, da hilft auch kräftiges trainieren nix. Das Problem ist aber: Du musst deine Kraft wohl verstecken und immer arg aufpassen, wo du startest oder landest – sonst hast du im am wenigsten schlimmsten Falle die Freak-Karte.
– Heilen könnte toll sein. Aber wie „4400“ lehrt, kommst du dann vermutlich in das Dilemma entscheiden zu müssen, wen du heilen willst/wirst und musst es eigentlich geheim halten, damit dich nicht ganz viele Leute für einen ziemlichen Arsch halten, weil du ihnen nicht hilfst.
– Selbstheilungskräfte/Unverwundbarkeit/Unsterblichkeit – ein Traum der Menschheit. Ähm – ganz großer Zonk. Zwar erstmal sehr attraktiv – aber ohne Sterben stirbt früher oder später was in dir, das schlimmer wirkt als der Tod. Menschliches Streben braucht den Tod, braucht Zeitknappheit, braucht Begrenztheit. Und wenn du nicht verwundet werden kannst, musst du fast zwangsläufig immer abwegigeres Zeug machen, um noch was zu „erleben“ – auch Trinken, Essen usw. müssten dann eigentlich überflüssig sein und damit bist du eigentlich schon kein Mensch mehr.
– Gedanken lesen können – damit man endlich mal weiß, was die anderen so denken. *schauder* – nein, bitte bitte nicht. Ich will gar nicht die ganzen Enttäuschungen ertragen müssen, die sich mir da bieten würden und ich will nichts von den ganzen Selbstzweifeln der Leute mitbekommen müssen, die mich umgeben. Unwissen kann machmal auch ganz angenehm sein und Vertrauen, dass enttäuscht werden kann, ist wichtig für Beziehungen.
– Gedanken beeinflussen können – dann halt so herum. Das ist glaube ich mindestens ähnlich schlimm – weil du damit immer alles bekommen kannst, was du willst. Bei einigen Sachen mag das ganz angenehm sein – aber irgendwann gilt es sich dann zu entscheiden: Wie weit will ich es treiben -> auf zur Weltherrschaft bzw. will ich z. B. Leute an mich binden in dem ich ihre Gedanken manipuliere? Das ist doch alles nicht mehr echt.

Mein bisheriger Favorit: Telekinese – mit Gedankenkraft Gegenstände bewegen können.
Das könnte hin und wieder ein ganz lustiges Hilfsmittel sein, um ein bisschen faul sein zu können. Ich kann anderen damit einen Partyspaß machen oder mal einen Streich/eine Freude spielen (Glas fällt runter, ich „fange es auf“) oder so.
Dabei sehe ich aber wenig Gefahr, dass die Superkraft zu missbrauchen ist und mit ein bisschen Glück holt mich kein Geheimdienst ab und steckt mir Sonden in meine verfügbaren oder neu angelegten Körperöffnungen.

Meine eigene Superkraft

Bei dem ganzen über Superkräfte nachdenken und Leuten dabei zu zu sehen, wie sie wegen ihrer Superkräfte sterben („Heroes“ hat einen extremen Verschleiß an Schauspieler_innen – manche dürfen nur 5 Minuten mitspielen und sogar „liebgewonnene“ Rollen halten es oft nicht mehr als 5 Folgen durch) kam mir irgendwann der Gedanke:
Wenn ich eine Superkraft hätte – ich würde die voll arg trainieren, um darin voll gut zu sein.
Hätte ich die Fähigkeit zur Telekinese, würde ich z. B. versuchen, immer schwerere Dinge zu bewegen oder mit kleinen Gegenständen möglichst präzise Bewegungen auszuführen – gucken, wie weit meine Fähigkeit reicht und das ausweiten.

Dann kam mir aber ein anderer – ein bisschen schmerzhafter – Gedanke:

Ich hab Superkräfte – und die trainiere ich eigentlich nicht so wirklich arg – also würde ich vermutlich auch meine Telekinese-Fähigkeit so vor sich hin dümpeln lassen…
Aber um es endlich zu sagen: Ich kann so bisschen fliegen…
…ähm: nicht.

Aber: Ich kann Gegenstände und Lebewesen auf weite Distanz wahrnehmen, die getrennt von meinem Körper existieren (sehen, hören), ich kann die Beschaffenheit von Gegenständen in Erfahrung bringen – z. B. Temperatur, Oberfläche etc. (fühlen, sehen), ich kann mich vom Fleck bewegen und das in ziemlich rasantem Tempo (gehen, laufen) und so einiges anderes.
Das soll nicht so spitzfindig sein, wie es möglicherweise wirkt.
Einerseits bin ich im Großen und Ganzen ziemlich „abled“ – also nicht „disabled“ (engl. fähig/in der Lage etwas zu tun bzw. „behindert“) – also das meiste, was von einem gesunden Menschen erwartet wird, dass er kann, kann ich – das ist nicht bei allen Menschen so.
Und ich weiß auch, dass ich durch Training zu erstaunlichen Dingen in der Lage wäre – meine vorhandenen Sinne reize ich aber bei weitem nicht aus.

Ein Beispiel: Ich habe so zwei, drei Jahre einen kleinen quasi-ehrenamtlichen Versand für Aufkleber betrieben. Dabei war eine klassische Anzahl 100 Stück. Um nicht zählen zu müssen (ach ja: Die Superkraft habe ich auch noch: Cleverness) habe ich die Sticker mit einer Briefwaage gewogen.
Nach einer Weile konnte ich mit einer Abweichung von vielleicht vier Stickern zielgenau 100 Stück von einem Stapel abheben – hätte mir das wiegen also langsam sparen können.
Vielleicht kennst du von dir selbst oder von anderen auch sehr speziell trainierte Fähigkeiten, die durch intensives Training (bewusst oder unbewusst) deiner Sinne entstanden sind.

Naja – zielgenau 100 Sticker von einem Stapel heben zu können, ist vielleicht jetzt noch nicht so cool wie Fliegen – aber vielleicht lässt sich ja was anderes spannendes mit dem zur Verfügung stehenden Superkraft-Baukasten anstellen.
Wenn ich mir da Leistungssportler_innen oder Gedächtniskünstler_innen ansehe, Musik von Profi-Musiker_innen anhöre oder Bilder von Starfotograf_innen sehe – wollen wir das nicht einfach Superkraft nennen?

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