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Update zu meinem Weg aus der Depression

1 Kommentar

Vor etwa drei Monaten habe ich darüber geschrieben, dass ich eine Depression habe (besser: mir ein depressives Verhaltensmuster angeeignet habe) und habe angekündigt, dass ich mir jetzt meinen Weg dort raus bahne.

Langsam ist es Zeit zu schreiben, was seit dem passiert ist.

Um es kurz zu fassen: Nicht besonders viel.

Nachdem durch das Lesen von Josef Giger-Bütlers „Jetzt geht es um mich“ viel Energie da war, um Änderungen hin zu bekommen, habe ich mich ein paar Wochen damit beschäftigt, darauf zu warten, mir einen „Masterplan“ zu entwickeln. Will heißen: Ich hatte vor mir einen Masterplan zu schreiben – aber jedes Mal, wenn ich damit beginnen wollte, bin ich total stecken geblieben.

Dahinter steckt die Angst zu scheitern.
Oder besser: Die Panik davor zu versagen.

Einen klaren Plan zu haben, der am Schluss auch noch machbar ist, baut einen recht beträchtlichen Erwartungsdruck auf.
Und theoretisch machbar und praktisch machbar sind nochmal zwei unterschiedliche Dinge.

Ich kalkuliere immer noch, dass ich Dinge schaffe, die ich für normale Menschen als schaffbar erachte und vernachlässige dabei, dass ich gerade in einem geschwächten Zustand bin.
So, als würde ein Marathon-Läufer erwarten, dass er mit einem verstauchten Bein die gewohnte Leistung erbringen wird.

Nachdem ich eine Weile verdrängt und verleugnet habe, dass ich eine Depression habe, fange ich langsam wieder an, darüber zu sprechen.
Und ich merke: Es ist mir verdammt peinlich.

Es wirkt wie eine Ausrede. Eine Ausrede um nicht das selben leisten zu müssen wie die anderen.

…und damit bin ich zurück im Teufelskreis.

Wenn ich nicht anerkenne, dass ich jetzt nicht so leistungsfähig bin wie ich mir das vorstelle, dann werde ich mich überfordern und reite mich damit nur immer weiter rein.
Überforderung -> Schwächung -> weniger Energie -> schneller Überforderung -> stärkere Schwächung -> noch weniger Energie…

Daneben habe ich schon immer mein Selbstwertgefühl aus den Dingen geholt, die ich leiste.
(Randbemerkung: Bei Frauen ist es verbreitet ihr Selbstwertgefühl aus der Anerkennung anderer für ihr Äußeres zu beziehen – das ändert sich vermutlich/hoffentlich langsam. Männer nutzen oft die Anstrengungen, die sie für ihren Job oder für andere auf sich nehmen, als Quelle fürs Selbstwertgefühl).

Gerade leiste ich – gefühlt – nicht (oder zumindest nicht viel).
Daraus lässt sich wenig Selbstwertgefühl ziehen und ohne ein gewisses Maß an Selbstwertgefühl läuft das Rad nicht rund.

Auf in die nächste Runde

Ich bin gerade dabei einen neuen Anlauf zu wagen.
Und habe Schiss davor.

Einige Dinge, die mir dabei helfen können, sind mir schon klar:

  • Professionelle Hilfe – also eine Psychologin, die mir helfen kann mich selbst zu verstehen und bei der ich keine Scheu haben muss, sie um Hilfe zu fragen.
  • Eine Tätigkeit, die mir Geld einbringt, meine Tage und Wochen strukturiert und trotzdem genug Freiheiten lässt, dass ich mich um mich kümmern kann. (Vorschläge ausdrücklich erwünscht!)
  • Mehr Körper als Kopf. Mehr fühlen als denken. Es ist viel angenehmer in meiner geistigen Welt zu leben, als in der tatsächlich physischen – aber auch dort muss ich meinen Platz einnehmen.

Daneben will ich mehr in den Kontakt mit Leuten kommen, die auch nach einem depressiven Verhaltensmuster leben oder gelebt haben, um mich mit ihnen austauschen zu können und mehr Akzeptanz darin zu finden.
Es tut immer wieder gut Menschen zu treffen, die nachvollziehen können, dass depressiven Menschen sehr wohl gute Laune haben können und tolle Dinge zu Stande bringen – aber eben manchmal auch ziemlich fertig mit der Welt sind.

Kleine Erfolge

In den letzten Wochen bin ich aber auch ein bisschen weiter gekommen:

  • Ich habe ein paar Mal geschafft offen davon zu sprechen, wie es mir geht – statt ein fröhliches Gesicht auf zu setzen.
  • Ich habe gute Gespräche über Depression gefühlt und Menschen kennen gelernt, die selbst betroffen sind.
  • Ich habe öfter ausgesprochen, wenn mir eine Situation nicht gut getan hat, statt sie über mich ergehen zu lassen.
  • Ich habe mehr darauf geachtet mich nicht zu überfordern .
    Falls du selbst ein depressives Verhaltensmuster lebst oder dich aus einem anderen Grund darüber austauschen willst – tritt mit mir in Kontakt.
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  1. Lieber Sebi,
    ich weiß, wie es ist, vor diesem großes schwarzen Lebensloch zu stehen und sich einfach nur fallen lassen zu wollen. Warum auch nicht? Alles wäre so einfach und alles Sorgen wären mit einem Schlag vergessen. Manchmal sind es nur Kleinigkeiten, die einen davon abhalten, in Depressionen komplett zu versinken, manchmal benötigt man größere „Antriebe“.

    Wenn ich Deine Zeilen lese, bin ich der Überzeugung, dass Du auf dem richtigen Weg bist! Denn Du hast erkannt, dass Du unter Depressionen leidest und willst etwas dagegen tun, Das sind die ersten wichtigen Schritte.
    Bleib dran und geh einfach immer weiter! Das Leben wird Dich zwar immer wieder mal zurückstubsten und Du wirst das Gefühl haben: „Alles war umsonst und das schaff ich nie!“ Aber wer weiß? Der nächste Schritt kann wieder ein positiver sein und das Leben und die Welt wird wieder ein kleines bisschen heller.

    Reden hilft – hast Du selbst ja schon feststellen können.
    Ich hab mich damals viel in entsprechenden Internetforen ausgetauscht, da in meinem Umfeld niemand wirklich verstanden hat, warum ich mit meinem Leben „unzufrieden“ war. Hätte ich diese Möglichkeit und das Wissen, das es andere Menschen gibt, denen es ähnlich geht, nicht gehabt, würde ich hier heute sicher nicht mehr sitzen.

    Darüber zu reden, dass es einem toll, super, klasse geht, ist einfach. Aber Schwächen, Krankheiten zuzugeben viel, viel schwerer. Ich wünsche Dir, dass Du Gesprächspartner findest und Du Schritt für Schritt den Weg mit und am Ende auch aus der Depression findest.

    Bei mir ist es nun schon Jahre her und alles läuft zur Zeit bestens und doch: immer wieder mal gibt es Phasen, in denen „sie“ plötzlich da ist und versucht, mich wieder gefangen zu nehmen. Schon eigenartig: als würde die Depression in einer Ecke sitzen und nur auf eine neue Chance warten. Sie gehört zu meinem Leben dazu. Ist ein Teil von mir. Ohne sie, wäre ich nicht, wer und wie ich bin. Seit ich das erkannt habe, gehts – etwas – leichter. Auch ich wünsche ich Dir aus vollem Herzen, dass Du Deinen eigenen Weg findest, mit ihr umzugehen und ihr ihre Schranken zu zeigen. Sie ist nun mal da. Fakt. Aber sie muss nicht die Oberhand behalten.

    Liebe Grüße und alles, alles Gute für die Zukunft
    Kerstin

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