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Wut – die Energie, die den Unterschied machen kann

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Ich habe (hatte?) ein Wutproblem, ein ziemlich großes sogar.
Aber nicht wie in den Filmen, wo jemand ausrastet und alles kaputt macht oder jemanden umbringt – viel eher genau das Gegenteil davon: Ich lasse meine Wut zu wenig raus.

Daran arbeite ich gerade massiv, weil ich merke, wie mich die Wut, die in mir ist, lähmt – und das ist definitiv nicht die Aufgabe von Wut.

Wut als Energie

Wenn es dir so geht wie mir, dann verbindest du Wut mit Aggressionen, mit Gewalt, mit Verletzungen und Dingen, die man spätestens am nächsten Tag bereut wird.

Das ist aber nicht Wut – Wut ist Energie.
Ich versuche mir das in Gesprächen bewusst zu machen, indem ich von „Wutenergie“ spreche, statt von „Wut“.
Wut ist freie, wertneutrale Energie. Mit dieser Energie kann zerstört werden – aber das ist nur eine der Möglichkeiten.

So, wie ich Wut bisher erklärt bekommen haben und wie ich meine eigene Wut inzwischen zu verstehen glaube, ist Wut Energie, die früher quasi eingelagert,für schlechtere Zeiten aufgespart wurde.

Woher kommt die Wut

Es kann in deinem Leben zu Situationen kommen, in denen den deine Bedürfnisse nicht erfüllt oder sie sogar bewusst missachtet werden. Solche Situationen sind nicht gut für dich.

Wenn es zu so einer Situation kommt gibt es im Grunde zwei Möglichkeiten:
Du tust etwas um die Situation zu verändern oder du erträgst die Situation.

Meiner Vorstellung nach steht dir in so einer Situation eine gewissen Menge Energie zur Verfügung – woher die kommt, weiß ich nicht.
Die Energie ist dazu da, die nötigen Schritte zu unternehmen, damit es dir gut gehen kann. Die Energie ist genau dafür reserviert.

Falls du die Energie nutzt, kannst du die Situation ändern, neu prägen und dir damit eine höhere Lebensqualität schenken. Die Energie ist verbracht und ist weg – sie hat ihren Zweck erfüllt.

Falls du die Energie nicht nutzt, wird die Situation so blieben wie sie war, du schwächst dich selbst, weil du dir verwehrst, dass es dir besser geht. Diese Selbstenttäuschung wird dich traurig machen und schwächen. Die Energie wurde noch nicht genutzt, da sie aber genau dafür reserviert ist, wird sie „eingelagert“ und steht dir ab da als Energiereserve zur Verfügung.

Wenn sich nun eine ähnliche Situation wiederholt, also das selbe Bedürfnis oder insgesamt ein wichtige Bedürfnis nicht befriedigt wird, stehst du vor der selben Entscheidung: Aktiv die Energie nutzen, oder es passiv ertragen.

Wenn du gewohnt bist, die Situation so zu verändern, dass deine Bedürfnisse gesehen werden, ist alles leicht und gut. Dein Energiehaushalt ist ausgeglichen, alles fließt.
Wenn du zu oft die Situation erduldest, schrumpft dein Selbstwertgefühl – aber die Energie, die in dir gespeichert ist – in Form von Wut-Energie – wächst stetig an.

Bei jeder zukünftigen Situation steht dir das kleine bisschen Energie zur Verfügung, dass dir geschenkt wird um die Situation zu meistern – zusätzlich aber einen stetig wachsende Menge deiner eingelagerten Reserven – deine Wut.

Jeder Fluss läuft irgendwann über, jeder Balken bricht irgendwann und jedes Seil reißt, wenn die Belastung zu hoch ist.
Irgendwann ist die Wut-Energie so hoch, dass sie sich Wege bahnen wird. Deine Speicher laufen über, es kommt zu einer unkontrollierten Entladung – das, was wir als Aggressionen, Ausrasten oder auch Wutanfall kennen.

Die letzte nötige Wiederholung einer Situation, die letzte kleine Kränkung und etwas explodiert in dir. Die Energie sucht sich ihre Wege und ist dabei total blind und gedankenlos nur auf Entladung aus.

Das ist leicht verständlich, wenn man sich klar macht: Um mit solchen Energiemengen um gehen zu können, braucht es eine gewisse Übung – wer aber immer nur Energie eingelagert hat und selbst kleine Energiemengen nicht genutzt hat – wie soll so jemand mit so einer Menge an Energie umgehen können. Das kann ja nur schief gehen.
Die Energie muss sich also ihre eigenen Wege suchen und walzt dabei alles nieder, was im Weg ist.

Wut nutzen

Um es also nicht so weit kommen zu lassen, dass die Wut-Energie unkontrolliert heraus kommt, gilt es die Wut bewusst dazu zu nutzen, Situationen zu verändern.
Wut hilft die nötige Energie auf zu bringen, um die Situation zu ändern – sie ist dein/e Freund/in.

Wenn der ganze Umfang der angestauten Wut-Energie genutzt wird, können klärende Situationen herbei geführt werden, die weit außerhalb der gewohnten Komfort-Zone liegen – die also große Überwindung kosten. Die Wut hilft die Entschlossenheit und Zielstrebigkeit auf zu bringen. Sich nicht mehr ab speisen zu lassen, lange Wege in kauf zu nehmen, durch zu halten oder mal laut zu werden – auf kontrollierte Art und Weise.

Wut hilft dir bewusste Akte der Selbstliebe zu verrichten – für dich und deine Bedürfnisse ein zu treten. Gestalter_in zu sein. Wenn nicht im kleinen Situationen, dann eben irgendwann in Großen.

Was passiert, wenn die Wut-Energie ungenutzt bleibt

Mein Zustand davor war ganz anders:
So wie ich mir das erklären will, hängt die Menge der Wut-Energie, die gespeichert werden kann, stark damit zusammen wie viel Selbstbeherrschung ein Mensch aufbringen kann.
Ich bin schon immer sehr selbstbeherrscht – was vermutlich auch dazu geführt hat, dass ich einige Situationen so konsequent ertragen haben, statt sie zu verändert – das führt aber auch dazu, dass ich sehr viel Wut anstauen konnte.

Zwischendurch hatte ich ein paar Mal das Gefühl, dass ich gleich explodiere – bin zwischen Erschöpfung (die Energie unter Kontrolle halten) und starker Überdrehtheit (die Energie will raus) hin und her gewechselt.
Ich bin Laufen gegangen um irgendwie ein Ventil zu haben – über körperliche Betätigung Energie raus aus meinem System bekommen. Und auch ansonsten war mein Körper und Geist die meiste Zeit in einem Zustand der Angespanntheit und Unruhe.
Ich vermute, dass ich nur knapp davon entfernt war, einen Wutausbruch zu haben.

Inzwischen finde ich immer mehr Zugang zu meiner Wut und nutze diese Energie. Ich schaffe Situationen, in denen Klärung passieren kann – löse Schritt für Schritt klassische Muster auf, die zum Anstauen der Energie geführt haben und lerne hoffentlich immer konsequenter schon in kleinen Situationen die Energie zu nutzen und zu gestaltet, statt zu ertragen.

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